Filterkaffee – Revival des Klassikers

Lange Zeit als Kaffeekränzchen-Brühe für Omas verpönt und verglichen mit Latte Macchiatos aus Vollautomaten, Espressi aus Caffettieras oder Cappuccinos aus Kapselmaschinen als minderwertig empfunden, erlebt brewed coffee während dieser Tage einen zweiten Frühling. Was nebst Preis und Usability fürs Filtrieren spricht und welche Produkte sich für diese Zubereitungsart empfehlen – das alles auf den folgenden Zeilen.

In hiesigen Cafés und Haushalten wird wieder öfters Filterkaffee getrunken. Dafür gibt es einige Gründe: Der fast unschlagbare Preis, die einfache Handhabe, das Zubereiten von großen Mengen in kurzer Zeit. Khodi Feiz, ein holländischer Industriedesigner mit iranischen Wurzeln, fügt hinzu, dass beim Filtrieren der pure Geschmack des Kaffees ganz ohne das Zutun von schwerer Maschinerie hervorgeholt werden kann. Feiz, der für das familienbetriebene italienische Designunternehmen Giannina unter anderem ein French Press Filter System entwarf, erklärt weiter: «Kaffee ist ein Jahrhunderte altes Getränkt, das fast weltweit konsumiert wird. Darum ist das Getränk mit einer Vielzahl von Kulturen und Ritualen eng verknüpft. Die Anzahl dieser verschiedenen Kulturen, die Kaffee zelebrieren, spiegelt sich in der Anzahl von Zubereitungsarten wider. Für mich ist Filtrieren besonders interessant, weil lediglich guter Kaffee und heißes Wasser (nicht kochendes, da dieses den Geschmack beeinträchtigen kann!) benötigt wird – plus ein bisschen Zeit.»

Auf einer ähnlichen Philosophie basiert George Sowdens Kaffeekanne SoftBrew. Sowden –  einst Gründungsmitglied des Designer-Kollektivs Memphis, das um Ettore Sottsass in den Achtzigern entstand – spricht jedoch nicht von Filterkaffee per se: «Die Idee hinter SoftBrew ist Infusion.» Dennoch ist ein Filter das Herzstück dieser Kanne. Und der besteht aus tausenden mikroskopisch kleinen Löchern, die dem beigefügten Wasser erlauben, das Aroma des Kaffees während einer längeren Zeit aufzunehmen, herkömmliche Papierfilter. Sowden erklärt, dass diese Zubereitungsart in seinen Augen die beste sei, weil der Kaffee behandelt wird, wie er sollte – schonend.

Den herkömmlichen Papierfilter verdanken wir Melitta Bentz. Sie war es, die im Sommer 1908 beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin die Innovation eintragen ließ. Kurz nach der Registrierung – im darauffolgenden Winter – gründet sie ein auf «Filtrierpapier» spezialisiertes Unternehmen. Das Geschäft erzielt erste Erfolge und zieht bald nach Westfalen um. Kurze Zeit danach wird die Firma, mittlerweile von Melittas Söhnen Willy und Horst geführt, in Melitta-Werke AG umbenannt. Noch heute werden Bohnen, Filter und Zubereitungsgeräte unter dem Namen der Gründerin vertrieben. Eines dieser Zubreitungsgeräte ist die Melitta Enjoy Therm. Die 2010 an der IFA vorgestellte Maschine überzeugt unter anderem mit fairem Preis-Leistungs-Verhältnis, einfachem Handling und Kaffeestärkegrad-Regulier-Button. Vor allem aber die Thermokanne, die den üblicherweise bei Kaffee-Filterautomaten verwendeten, schlecht isolierten Glaßkrug ersetzt, macht dieses Produkt interessant.

Wer mit Kaffeekannen nichts anfangen kann, trotzdem aber nicht auf Filterkaffee verzichten möchte, dem sei Kone von Coava empfohlen. Coava ist eine in Portland beheimatete Coffee-Bar, die einen widerverwendbaren Filter entwarf, um ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen – der Kone. Die Überraschung war entsprechend groß, als Kunden Interesse an dem aus rostfreiem Stahl hergestellten Einsatz, der die herkömmlichen Papierfilter ersetzt, anmeldeten. Das komplett in den USA hergestellte Produkt, mit dem der Papiergeschmack im Kaffee und das schlechte Gewissen gegenüber der Umwelt wegfällt, kann beispielsweise als Einsatz in einer Chemex-Kaffeekaraffe verwendet werden. 

Der Kone passt aber auch in den Keramikdripper V60 von Hario. Speziell am Model der 1921 gegründeten japanischen Glaß-Manufaktur ist das Ende des Gefäßes: Wo normalerweise mehrere kleinere Öffnungen zu finden sind, tut sich lediglich ein relativ großer Ausgang auf. Dem Geschmack schadet es jedoch nicht. Laut Hario wird mit der richtigen Aufgusstechnik – langsam und kreisförmig, so die Empfehlung – die Essenz des Kaffeepulvers gar optimaler gewonnen als bei herkömmlichen Drippern. Der Hersteller erklärt: «Jede Tasse Filterkaffe ist darum eine individuelle Kreation. Richtig angewendet kann mit dem V60 gar die Schranke zwischen Barista – also der Person, die den Filterkaffee zubereitet – und dem Konsumenten durchbrochen werden.» 

Mit solchen Überlegungen und den daraus resultierenden Produkten wie jenen von Hario, Feiz und Co. steht der Reinkarnation des einst verpönten Filterkaffees nichts mehr im Wege. Mag also gut sein, dass brewed coffee bald nicht mehr nur in den USA Kultstatus genießt – Jim Jarmuschs Film-Klassiker könnte eigentlich «Filtercoffee and Cigarettes» heißen – sondern auch hierzulande wieder in aller Munde ist.

Autor: Remo Bitzi

Älterer Post
Neuerer Post
Schließen (Esc)

Popup

Use this popup to embed a mailing list sign up form. Alternatively use it as a simple call to action with a link to a product or a page.

Age verification

Cookies blabla

Suchen

Einkaufswagen

Ihr Einkaufswagen ist im Moment leer.
Einkauf beginnen