Das Genussprinzip

Egal ob New York Cheesecake, französische Champagnertorte oder deutscher Käsekuchen – das Princess Cheesecake in Berlin-Mitte bedient die Vorlieben von Käsekuchenkennern auf höchstem Niveau. In verspielten Kreationen werden Tortenklassiker neu interpretiert, alles Bio und möglichst Fair Trade versteht sich. Wir sprachen mit der Inhaberin Conny Suhr über ihr Verständnis von Genuss, die amerikanische Kaffeekultur und was es braucht, um glücklich zu sein.


Princess Cheesecake – der Name spricht für sich. Bei euch gibt es Käsekuchen in allen Variationen. Warum keine anderen Sorten?

Mitte der 90er Jahre habe ich in den USA gelebt, zuerst in New York, später dann in L.A. Seitdem bin ich verrückt nach Käsekuchen. Ich liebe zum Beispiel die Cheesecake Factory, mittlerweile eine riesige Kette von Cafés, verteilt über die ganzen USA mit mehr als 100 verschiedenen Käsekuchen auf der Karte. Manchmal kam ich aus der Agentur in Venice Beach, schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr bis nach Mavista, um mir den Devil’s Cheesecake zu holen, ein riesiges Prachtexemplar mit schwarzer Schokolade. An bestimmten Tagen musste der einfach sein. Als ich nach Berlin zurück kam war klar: ich muss irgendwann ein Cheesecake-Café eröffnen. 

Was hältst du denn insgesamt von der amerikanischen Esskultur? In Deutschland hat sie ja nicht immer den besten Ruf...

Die Amerikaner haben zwar eine andere, aber sehr schöne Ess- und Genusskultur. Es wird ja oft das Image transportiert, die Amerikaner hätten keine Ahnung von gutem Essen. Das stimmt natürlich nicht. Zum Beispiel gibt es dort eine großartige Fusionküche, schon allein wegen der relativ jungen Geschichte und den vielen Einwanderern. Da vermischt sich vieles, was zum Teil tolle Blüten hervorbringt. In Australien ist das ähnlich. Das kann durchaus als Vorbild dienen und das versuchen wir auch hier: Gutes aus verschiedenen Kulturen herauszufiltern, dieses miteinander zu vermischen und daraus etwas Neues zu schaffen...

...und wenn es um Kaffee geht?

Dann gehen viele Amerikaner aktuell wieder Back to the Roots, könnte man sagen. Die Suche nach einer eigenen Identität, auch was Ernährung und Genuss betrifft, ist natürlich nicht neu, sondern schon seit der Hippiekultur in den 60er und 70er Jahren existent. Auch das ganze Bio-Thema wird in den USA ja schon länger diskutiert, als etwa in Deutschland. Trotzdem waren auch immer diese zusätzlichen Aromen, sogenannte Flavours, also zum Beispiel Sirup in verschiedenen Geschmacksrichtungen, beliebt. Häufig wurde Kaffee auch direkt Aromazusätze in Granulatform beigemischt, was für die meisten Europäischen Kaffeeliebhaber ein Unding ist. Nun verändert sich der Trend wieder etwas dahin, dass viele Amerikaner heute eher den puren, klaren Kaffeegeschmack den unzähligen Flavours vorziehen.

Reden wir mal über euch. Was ist eure Geschäftsphilosophie?

Wir wollen zurück zu gewissen Traditionen und Werten. In der heutigen Zeit geht alles so schnell. Zwischendurch kommt man an einen Punkt, wo man innehalten muss. Die ganzen Informationen überfordern uns, dabei sind höchstens 20 Prozent aller Informationen, die wir aufnehmen, wirklich wichtig. Das heißt wir müssen stärker selektieren. Das gilt auch fürs Essen. Überall locken unzählige Angebote, aber nur wenige geben dir wirklich Energie. Natürlich denkt man bei Torten nicht in erster Linie an die Gesundheit. Aber auch Quark wirkt entgiftend und enthält viele Proteine. Außerdem versuchen wir, mit Alternativen zum Zucker zu Süßen, wie etwa Honig oder Fruchtzucker. Im Endeffekt geht es aber um Genuss und in der Konsequenz darum, glücklich zu sein. Und dafür Bedarf es manchmal weniger, als man vielleicht denkt. 

Was sind denn eure Highlights?

Da wäre einmal unsere Zitronentarte, der wird ein besonders hoher Suchtfaktor nachgesagt. Eine Kundin kam drei Tage, nachdem sie ihn gegessen hatte, wieder und meinte, sie hätte in den letzten Tagen immer wieder an diese Zitronentarte denken müssen. Ein besseres Kompliment können wir nicht bekommen. Besonders beliebt ist auch die Champagner-Torte. Wir mögen es einfach, mit den Hauptprodukten Quark und Frischkäse, zu spielen. Wir haben gerade eine neue Torte im Sortiment, darin enthalten sind Kokosnuss und Mount Gay Extra Old, ein ganz tiefer und aromatischer Rum aus Barbados, den man übrigens auch wunderbar zum Kaffee trinken kann. Und das ist es, worum es geht: experimentieren und Produkte weiter entwickeln. Wir wollen immer und Bewegung bleiben.

Und dein persönlicher Favorit?

Aktuell ganz klar die Orangentorte. Innen sind leichte Baiserböden geschichtet, frische Orangen und außen herum eine hauchdünne Schicht weißer Schokolade. 

Bei der Wahl eurer Zutaten geht ihr ja sehr selektiv vor.

Ja, viele Produkte kommen hier aus der Region und wir überlegen ganz genau, ob wir Produkte verwenden, die eingeflogen werden müssen. Wir benutzen saisonale Produkte, das heißt wir gehen mit den Jahreszeiten. Die Zutaten schmecken dann einfach am besten. Du wirst deshalb zum Beispiel im Winter keine Erdbeertorte bei uns finden. Auch bei der Einrichtung legen wir Wert auf gewisse Standards. Wir lassen einen Großteil davon in Deutschland produzieren. In China zum Beispiel würden wir schon aus Prinzip nicht produzieren lassen, auch um das dortige System nicht zu unterstützen. Genauso beim Kaffee: wir ziehen einen direkten Handel ohne viele Zwischenhändler vor und darauf achten, dass faire Handelsbeziehungen eingehalten werden. 

Erwarten die Kunden mittlerweile, dass alles möglichst Bio und Fair Trade ist?

Ich denke, ab einer gewissen Preisklasse sollte man davon ausgehen könne, dass die verwendeten Produkte Bio sind. In den USA ist das heute schon der Fall, in Berlin oder Deutschland allgemein noch nicht unbedingt. Hier suchen die Kunden immer noch nach dem Biosiegel. Trotzdem möchten wir nicht explizit damit werben oder ein dickes Zeichen an die Scheibe kleben, um zu sagen: „Schaut her, hier ist alles Bio!“. Wenn die Leute fragen, dann erkläre ich es ihnen, auch wie die Preise zustande kommen, denn Bio-Produkte sind nun mal etwas teurer im Einkauf, als die Sachen aus dem Discounter. Damit ist zwar die Gewinnspanne nicht so hoch, doch gibt es mittlerweile viele Kunden, die das zu schätzen wissen.

Was ist für euch wichtig, um eine gute Atmosphäre zu schaffen?

Klarheit und Helligkeit. Die Leute sollen hier ankommen und erst mal einfach sein können, ohne zu sehr von Farben oder üppiger Dekoration abgelenkt zu werden. In anderen Cafés ist es mir manchmal zu dunkel oder schon zu gemütlich. Hier kommst du rein und wirst nicht belastet. In relativ kurzer Zeit hast du das meiste wahrgenommen. Sowieso sind die Kreationen in der Glasvitrine sind die beste und wichtigste Deko, das sind die Hauptdarsteller.

Zum Schluss noch eine Frage, die ihr bestimmt öfters zu hören bekommt: was zeichnet den amerikanischen oder klassischen New York Cheesecake aus und wo ist der Unterschied zum deutschen Käsekuchen?

Darüber haben wir vor kurzem erst noch diskutiert. Für mich liegt der Hauptunterschied darin, dass der deutsche Käsekuchen gebacken wird, der New York Cheesecake nicht. Der hingegen wird pochiert, das heißt die Eier werden nur gestockt und nicht gebacken. Außerdem nimmt man dafür einen sehr guten Frischkäse und dann kommt es auf die Konsistenz an. Unten drunter ist ein Crunchy-Boden, der nur aus Keks besteht, oben drauf kommt dann noch ein Sour Cream-Topping. Zu verführerisch der New York Cheesecake aber auch sein mag, der klassische deutsche Käsekuchen immer noch einer unserer Favoriten.

Autor: André Uhl

 

Princess Cheesecake auf Facebook und Instagram

 

 

Älterer Post
Neuerer Post
Schließen (Esc)

Popup

Use this popup to embed a mailing list sign up form. Alternatively use it as a simple call to action with a link to a product or a page.

Age verification

Cookies blabla

Suchen

Einkaufswagen

Ihr Einkaufswagen ist im Moment leer.
Einkauf beginnen