Auf einen Kaffee mit Jazzanova

Trotzdem sich das DJ- und Produzentenkollektiv Jazzanova seit einem ihrer frühen Hits „Coffee Talk“ musikalisch aus der Café-Lounge-Ecke raus entwickelt haben, wollen wir ihre Meinung zum Thema. Bei einem Treffen in ihrem Studio verraten sie uns, wo sie ihren Kaffee trinken, sie klären uns darüber auf, was die Eröffnung von Cafés für die Stadtentwicklung bedeutet und wie auch amerikansicher Filterkaffee schmecken kann. Die Musik der Nu Jazzer kommt natürlich auch nicht zu kurz. 

Wie der Name schon verrät, liegt der Ursprung von Harlem Black Coffee in der sagenumwobenen New Yorker Neighborhood nördlich des Central Park: Sugar Hill, Harlem. Zwischen der 96. und 125. Straße entwickelte sich bereits in den 20er Jahren eines der bedeutsamsten Zentren afroamerikanischer Kultur. Damals waren es die Jazzmusiker des Viertels, wie etwa Fats Waller, Bud Powell und Danny Mixon, heute sind es R‘n‘B und Hip Hop-Stars wie Alicia Keys, Kelis und P. Diddy, die wir zu den bekanntesten Kindern Harlems zählen.

Dieses breitgefächerte musikalische Erbe wurde Ende der 90er Jahre wurde zur treibenden Kraft des damals noch unbekannten Berliner Musikerkollektivs Jazzanova. Über die letzte Dekade hat es das Quintett jedoch geschafft aus seinen musikalischen Wurzeln etwas völlig Neues wachsen zu lassen. Harlem Black Coffee ist zu Gast im Tonstudio in Berlin-Prenzlauer Berg. Neben Alexander Barck sind bei diesem Treffen Jazzanovas Producer Stefan Leisering und der Mann für alles Technische, Axel Reinemer, mit von der Partie.

„Erster Anlaufpunkt für Kaffee in der Gegend hier ist Bonanza Coffee Heroes. Das ist so unser Kaffeeladen, wo man auf dem Weg ins Studio hingeht und mal schnell was mitnimmt“, berichtet Alex gleich zu Beginn unserer Unterhaltung über die Cafékultur im Kiez. „Die rösten selbst, haben super Bio-Milch und so eine ganz krasse, oberteure Maschine, die einen wahnsinnigen  Druck aushält. Und es schmeckt halt einfach gut.“

Wenngleich es für die Jazzanovas bei Bonanza meist nur „zum Mitnehmen“ heißt, so legen die Herren offenbar trotzdem verstärkten Wert auf Qualität. Steht doch mal etwas mehr Zeit zur Verfügung, geht es in das Magnet Café in der Kastanienallee. Der Laden wird von einem befreundeten DJ der Band namens Dixon betrieben. „Schon allein weil wir uns kennen gehen wir da so gern hin.“

Für Alex sind Berlins unzählige Cafés ein Zeichen dafür, wie gut es kreative Menschen in Berlin immer noch haben. “Noch, muss man ja leider wirklich immer wieder sagen.“ Denn auch sie erwischt die Gentrifizierung. Mit einem Lachen fügt er hinzu: „Wir hatten‘s auch schon besser!“ Im Laufe dieses Jahres werden Jazzanova ihr Studioinventar zusammenpacken und nach Weißensee ziehen. „Das ist auch eine nette Ecke. Nur nicht ganz so erschlossen.“

Die Stadt verändert sich. „Ich wohne in Kreuzberg. Und direkt am Wasser gab‘s immer eine Ecke, bei der ich im Vorbeigehen immer gedacht habe, das ist so schön, warum macht hier keiner was? Irgendwann war es dann soweit: ein neues Café. Kannte am Anfang keiner und heute steht‘s als Insider-Tipp im Easyjet-Magazin. Mittlerweile stehen die Leute dort Schlange.”

Auch in der Heimat des Black Coffee hat sich über die Jahre vieles verändert. „Wenn man jetzt hört, einer lebt in Harlem, ist die Reaktion nicht mehr, ‘Ist das nicht gefährlich?’, sondern eher so ‘Ah ja, okay, der hat wohl Geld.’ Das ist auch ein bisschen traurig. In Berlin ist es ja im Grunde ähnlich. Die richtigen Berliner werden ja auch immer mehr rausgedrängt aus ihren Ecken, weil es einfach zu teuer ist.“

Mit Songs wie „Coffee Talk“ wurde Jazzanova früher gerne mal in die Schublade „Musik für Coffee Shops“ gesteckt. Aber auch den letzten Kritikern aus den Anfangsjahren werden die Liveambitionen der Berliner bewiesen haben, dass Jazzanova schon immer mehr drauf hatten, als nur endlos vor sich hin plätscherndes Softgedudel zu komponieren. Tatsächlich haben sie sich in den letzten Jahren zunehmend von allzu komplexen Songstrukturen verabschiedet. Drei Minuten lautet die Devise - ausufernde Stücke sind Schnee von gestern.

Genauer gesagt vom Ende der 90er Jahre - Deutschlands Latin-Jazz erfuhr zu dieser Zeit einen ordentlichen Hype. Während sich mit Jazzanova auch sehr anspruchsvolle Acts hervortaten, glich die große Masse an Veröffentlichungen jener Zeit doch eher lahm produzierter Café-Lounge-Brühe.

Um nicht in den Topf mit letzterer geworfen zu werden, veröffentlichen Jazzanova das ausgefeilte, vielschichtige und musikalisch breit aufgestellte Debütalbum „In Between“. Die Platte wird mit Begeisterung aufgefasst und ist ein richtungsweisender Schritt in der Entwicklung zu der Band, wie wir sie heute kennen. Laut Stefan könne man in Cafés sowieso alles spielen, so lange es nur nicht zu laut aufgedreht würde.

Deckt Jazzanova in Europa längst ein sehr breites musikalisches Spektrum von Club bis hin zum Konzert auf Elektronik- oder Jazzfestivals ab, so sind sie in den USA bislang eher als DJ‘s im Nachtleben aktiv. Dazu passend erscheint mit „Upside Down“ in diesen Tagen die zweite Jazzanova-Remixsammlung. Bei den zehn Tracks handelt sich um Interpretationen internationaler Artists wie Mr. Scruff, der Midnight Mauraders und der Soldiers of House.

Doch auch jenseits der Clubs tut sich wieder etwas bei Jazzanova: Seit nunmehr drei Jahren haben sie als Zehn-Mann-Liveband ganz Europa und Südostasien abgetourt. Unter solchen Voraussetzungen dürfte auch eine weitere US-Tour nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

„Wir waren ja oft auf Tour in Amerika und sind da halt auch in Gegenden gekommen, wo man von Espresso noch nie etwas gehört hat. Das macht dann auch Spaß, dort in so einem alten Diner einfach den Filterkaffee aus diesen großen Maschinen zu trinken. Und der kann mitunter schon auch richtig gut sein - auch für die verwöhnte europäische Kaffeezunge. Die haben halt andere Bohnen, Filter und Maschinen. Das kann ein richtiges Erlebnis sein, du musst es nur entsprechend würdigen.“

 

Autor: Eugen Braeunig 

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